Wenn jemand weiß, wie Genuss funktioniert, dann er: Ralf Frenzel. Gelernter Koch, leidenschaftlicher Weinenthusiast, Verleger und Netzwerker mit Feingespür für Qualität und Timing. Heute ist er Kopf des Tre Torri Verlags – eine Instanz am deutschsprachigen Kulinarikbuchmarkt – und zugleich jemand, der sich seine Neugier und Begeisterung bewahrt hat.
Wir haben ihn bei uns im Occhio d’Oro getroffen – mit Blick über die Stadt und einem Glas Riesling aus dem Hause Weingüter Wegeler in der Hand. Ein Gespräch über große Weine, neue Trends und warum echter Genuss nichts mit Status zu tun hat.
Von der Küche zum Verlag: Wie Ralf Frenzel zur Wein- und Genusswelt fand
Begonnen hat alles mit einem einzigen Schluck. Und ein Geschmack, der ihn elektrisierte. „Es war wie ein Flash“, erinnert sich Frenzel. "Und dieser hat nie aufgehört. "
Frenzel ist gelernter Koch, erfahrener Weinhändler und erfolgreicher Verleger. Doch in Kategorien denkt er nicht. „All das bin ich geblieben“, sagt er. Was ihn auszeichnet, ist das Verständnis für die gesamte Kette: vom Produkt über die Küche bis hin zum Gast.
Im Jahr 2004 gründet er den Tre Torri Verlag – nicht aus Kalkül, sondern weil es notwendig war. Zu viele Ideen, zu wenig Bereitschaft, sie ernst zu nehmen. „Für manche Bücher fand ich schlicht keinen Verlag, der sie ernsthaft veröffentlichen wollte. Die Fantasie in Bezug auf Kulinarik war bei vielen Verlagen begrenzt. Dabei ist Essen und Trinken so viel mehr als ein Rezeptbuch.“
Also machte er es selbst - mit Büchern, die neben Rezepten auch Bildung und Sprache vermitteln sollten. Werke wie die „Geschmacksschule” setzen Maßstäbe - sowohl für Profis als auch für Hobbyköch:innen im deutschsprachigen Raum.
Tre Torri Verlag: Warum Substanz wichtiger ist als Trends
Die Stärke seines Verlags liegt in der Auswahl der Autorinnen und Autoren. „Wir sind ein Autorenverlag. Unsere Autor:innen bringen nicht nur ein Thema mit, sondern auch Tiefe, Wissen, Haltung.“
Das bedeutet: kein Schreiben auf Zuruf, keine Produkte ohne Inhalt. „Natürlich darf ein Buch leicht und locker erzählt sein, aber es braucht Substanz. Es muss etwas zu sagen haben.“
Frenzel hat oft früher als andere hingeschaut: Molekularküche, Kochsendungen, Backformate – viele davon hat er begleitet, bevor sie populär wurden. "Erst wenn Aufmerksamkeit und Verständnis zusammenkommen, entsteht ein gutes Buch. "
Was macht guten Wein aus?
Ralf Frenzel kennt sich in der Welt des Genusses aus wie kaum ein anderer. Trotz seiner Expertise bleibt er dem Wein gegenüber niemals technisch oder distanziert. „Ein wirklich guter Wein berührt die Seele“, sagt Frenzel.
Er trinkt mit Genuss und am liebsten in Gesellschaft. „Der Austausch, das gemeinsame Erleben – das ist ein Glücksmoment. Ich trinke ausschließlich mit Freunde am Wein. Wenn nicht, dann lieber gar nicht.“
Wer mit ihm über Wein spricht, merkt schnell, dass Wein für ihn kein Statussymbol ist, sondern ein echtes Kulturgut. Etiketten interessieren ihn wenig, Herkunft und Preisgerechtigkeit dafür umso mehr. „Ein guter Freund von mir macht einen Liter Riesling für sechs Euro. Großartig.“ Ein starker Wein muss nicht teuer sein. Hauptsache er ist ehrlich.
Warum große Rieslinge Zeit brauchen - oder auch: Die kleine Raupe und der große Schmetterling
Im Occhio d’Oro führen wir Weine aus Frenzels Portfolio, unter anderem den Riesling der Weingüter Wegeler. Was macht diesen Wein besonders? Frenzel beschreibt ihn als leicht, unkompliziert, mit Tiefe und Frische. Doch er braucht Zeit zu reifen.
„Riesling ist wie eine kleine Raupe’’, sagt er. ’’Man beobachtet sie, findet sie interessant, aber die wenigsten lieben kleine Raupe.“ Mit einem Lächeln ergänzt er: „Doch wenn man dem Wein Zeit gibt, wird er zum Schmetterling. Und dann liebt ihn jeder.“ Eine treffendere Beschreibung für gereiften Riesling dürfte schwer zu finden sein.
Mit den traditionsreichen Weingütern Wegeler ist Frenzel auch persönlich verbunden. Er gehört dem Beirat an und begleitet dessen Arbeit seit Jahren mit großer Leidenschaft. Seine Nähe zum Wein zeigt sich in seiner engen Verbindung zu den Weingütern Wegeler und Krone Assmannshausen, an denen er beteiligt ist und deren Lagen an Mosel und Rheingau für Tiefe und Charakter für Rieslinge stehen.
Welche Weine empfiehlt Ralf Frenzel im Occhio d’Oro zu italienischem Essen?
Was Ralf Frenzel beim ersten Besuch im Occhio d’Oro sofort gespürt hat, war mehr als kulinarische Qualität. Es war die Haltung dahinter.
Das Zusammenspiel aus Küche, Service und Weinkultur – für ihn stimmig, kompetent, mit Liebe zum Detail. Besonders gefallen hat ihm unsere Weinaffinität.
Dass italienische und deutsche Weine hier selbstverständlich nebeneinanderstehen, ohne Konkurrenzgedanken: „Deutschland macht hervorragende Weißweine – gerade vom Rhein und von der Mosel. Und die Italiener sind wahre Meister, wenn es um charakterstarke Rotweine geht.” Beide Weintraditionen haben ihre Stärken. Warum sollte man sich also für nur eine entscheiden?
Als Einstieg für ein gelungenes Dinner empfiehlt Frenzel seinen Moselriesling: „Er passt perfekt zu den Vorspeisen im Occhio d’Oro, zu Fisch, zu hellem Fleisch. Selbst zu einem kross gegrillten Florentiner Steak kann ein reifer Riesling großartig sein.“
Sein persönlicher Tipp: Zwei offene Weine gleichzeitig bestellen. So erlebt man, wie unterschiedlich ein Gericht wirken kann - je nachdem, von welchem Wein es begleitet wird.
Weintrends, alkoholfrei und Social Media: Wie sieht Ralf Frenzel die Zukunft?
Auch neue Entwicklungen beobachtet Frenzel mit Offenheit. „Ich sehe das mit Neugier“, sagt er. „Gesunde Ernährung und ein bewussterer Umgang mit Alkohol sind wichtig. Man muss nur aufpassen, dass daraus kein Dogma wird.“
Frenzel ist selbst auf Plattformen wie TikTok oder Instagram unterwegs, beobachtet Formate, liest Kommentare und sieht darin großes Potenzial für die Weinkultur. „Es zeigt, wie stark Wein als Kulturgut wirkt. Gerade dann, wenn man ihn mit Begeisterung und Geschichten vermittelt.“
Welchen Wein trinkt Ralf Frenzel privat am Abend?
Was Ralf Frenzel am Ende eines Tages ins Glas schenkt, hängt vom Moment ab. Mal ein Spätburgunder von der Ahr, mal ein Südtiroler Rotwein oder ein toskanischer Rotwein-Klassiker wie Sassicaia. „Wein passt sich der Stimmung an. Und genau das macht ihn so besonders.“
Für Frenzel ist Wein kein festes Ritual, sondern etwas Lebendiges. Mal leise, mal präsent, aber immer persönlich.
Fazit: Genuss beginnt mit Neugier
Ralf Frenzel zeigt eindrucksvoll, dass man kein Sommelier sein muss, um Wein zu verstehen. Offenheit, Interesse und Freude am Entdecken reichen oft vollkommen aus. Denn oft beginnt der wahre Genuss mit Neugier!