29.08.2025

Meet me in the kitchen - Ein Interview mit Chefkoch Andreas Hoffmann

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Andreas Hoffmann spricht Klartext – in der Küche wie im Interview. Er ist Koch und hat einen erfrischend ehrlichen Blick auf die Branche. Als Küchenchef im Occhio d’Oro in Frankfurt prägt er eine moderne toskanische Küche, die auf Reduktion, Qualität und Authentizität setzt. Sein Weg dorthin führte ihn von den Grundlagen der Kochkunst über die Sternegastronomie bis hin zum Küchenchef. In dieser Position lebt er seine Philosophie aus, die sich auf das Wesentliche konzentriert: den Geschmack.

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Vom Plan B zum Kochen mit Leidenschaft

„Angefangen hat alles mit 14“, sagt der 43-jährige Küchenchef aus Frankfurt rückblickend. Eigentlich hatte er andere Pläne, doch die Noten reichten nicht für den erträumten Beruf.

Seine Mutter brachte ihn auf die Idee, es mit dem Kochen zu probieren. So folgten Stationen in der klassischen Hotellerie, darunter namenhafte Häuser mit 1 bis 3 Sternen. Das war ein vielversprechender Weg, aber keiner, der ihn dauerhaft erfüllte.

Stattdessen kamen erste Zweifel und die Erkenntnis, dass Spitzenküche nicht zwangsläufig für ihn Spitzenqualität bedeutet: „Sterne-Gastro ist oft alte Schule – hart, verschwenderisch, teuer. Das hat für mich irgendwann keinen Sinn mehr gemacht.“

Toskana statt TamTam

Die Wende kam mit der italienischen Küche. Genauer: mit der toskanischen. Keine Show auf dem Teller, sondern Reduktion aufs Wesentliche. Geschmack statt Dekoration. Und vor allem: Respekt vor dem Produkt.

„Italienische Küche ist extrem produktbezogen. Du hast eine perfekte Paprika und die steht dann im Mittelpunkt.“

In der toskanischen Küche findet er genau das, was ihm entspricht: Einfachheit, Tiefe, Produktnähe.

„Wenig Komponenten sind manchmal mehr, um viel an Geschmack zu erreichen.“

Und manchmal fließt bei ihm auch ein Hauch Japan mit ein: „Beide Küchen arbeiten puristisch, das gefällt mir.“

Produktnähe & Regionalität im Occhio d’Oro

Küchenchef Andreas arbeitet mit einem kleinen, gut eingespielten Team. Jeder Handgriff sitzt, jeder weiß, was zu tun ist. Auf engstem Raum wird konzentriert gekocht, ohne Chaos – mit einem durch getakteten Ablauf, der von außen fast wie ein Uhrwerk wirkt.

„Wir haben ganz klare Posten. Fisch, Fleisch, Pasta, Dessert – alles ist definiert. Wenn einer sich nach rechts dreht, weiß er genau, warum er das tut. Da gibt’s keinen Zufall.“

Auch beim Einkauf gilt: Effizienz statt Romantik. Wer glaubt, Küchenchefs schlendern morgens über den Wochenmarkt, liegt laut Andreas Hoffmann falsch: „Das ist Show. Wir bestellen täglich frisch – exakt das, was wir brauchen. So halten wir die Frische hoch und die Reste niedrig.“

Trotzdem wird auf Herkunft und Qualität geachtet. Gemüse kommt möglichst aus der Region, Fleisch vom Biohof, Olivenöl von der Kreta-Kooperative eines Freundes.

Chefkoch Andreas Hoffmann macht Strozzapreti Pasta

Privat wird anders gekocht, aber ohne geht’s nicht

Trotz langer Tage am Herd kocht Andreas auch zu Hause - täglich, vor allem für seine Kinder. „Es gibt einfache und schnelle Gerichte wie One-Pot-Pasta, oft japanisch - Sushi, Teriyaki, Fried Rice.“ Und natürlich auch Pizza oder Schnitzel. Eintöpfe hingegen? „Kommt nicht so gut an.“

Ganz anders im Restaurant. Dort dominiert die edle Handschrift des Küchenchefs. Sein erklärtes Lieblingsgericht: Strozzapreti Salsiccia (Pasta mit Wurst).

„Die Priesterwürger, wie Strozzapreti übersetzt heißen, nehmen Soße hervorragend auf und bleiben immer saftig. Salsiccia, Knoblauch, Chili, frische Tomaten, Petersilie, Parmesan – fertig.“

Für ihn ist Pasta mehr als ein Gericht - sie ist ein Handwerk: „Ein Gramm Eigelb zu viel und die Carbonara kippt. Man braucht Gefühl, Timing und ein gutes Gehör.“

Sein Geheimtipp: „Wenn Pasta beim Schwenken schmatzt, stimmt die Soße.“

Olivenöl mit Geschichte

Ein weiteres Lieblingsprodukt des Kochs: das hausgemachte Olivenöl. Es stammt von einem Freund auf Kreta und wird bei 2°Celsius optimal gelagert.

Sein Tipp: Lieber weniger Öl, dafür besseres. Und: Auf Discounterware lieber verzichten. „Ein gutes Olivenöl kostet – und das zu Recht. Wer denkt, er kriegt Qualität für zehn Euro, belügt sich selbst.“

Seine Lieblingskombi: frische Burrata, gutes Brot, Kirschtomaten, ein Löffel Olivenöl. Mehr braucht es nicht.

Disziplin ist sein Rezept

Andreas Hoffmann ist ein Mann mit Prinzipien – auch jenseits der Küche. Sein Tag beginnt früh, mit Schulbroten und Büro, gefolgt von Training: „Drei Stunden Fitnessstudio, täglich. Das brauche ich, um körperlich durchzuhalten.“

Auch die Küche funktioniert nur mit Struktur: klar definierte Posten, eingespielte Abläufe, exakte Mengen.

„Es bleibt kein Platz für Fehler - Präzision ist alles.“

Mit Andreas Hoffmann an der Spitze zeigt das Occhio d’Oro, wie moderne italienische Küche schmeckt: toskanisch geprägt, saisonal gedacht, aufrichtig gekocht. Ohne Effekthascherei, dafür mit Charakter, genauso wie der Küchenchef.

Unser Tipp:

Wenn Sie Strozzapreti mit Salsiccia genauso lieben wie wir, wenn Sie gutes Olivenöl zu schätzen wissen oder einfach neugierig geworden sind – kommen Sie vorbei, probieren Sie es selbst und genießen in unserem Rooftop-Restaurant vor, während und nach dem Essen die Aussicht auf Frankfurt.

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