Herkunft & Rebsorte – das Besondere am Brunello di Montalcino
Brunello wird ausschließlich in Montalcino in der südlichen Toskana hergestellt – einem Gebiet mit einzigartigem Mikroklima. Die Weinberge liegen höher, die Nächte sind kühler, der Boden steinig und mineralisch.
Daraus entsteht ein Wein mit:
- präziser Säure
- feinen, reifen Tanninen
- klarer Struktur
- tiefer aromatischer Konzentration
Sangiovese Grosso – der Kern der Identität
Das Besondere an Brunello: Er besteht immer aus einer einzigen Rebsorte – Sangiovese Grosso, der dickschaligen, strukturstarken Variante. Seine typischen Aromen entfalten sich im Glas:
- Sauerkirsche
- rote Pflaume
- Veilchen
- Mit zunehmender Reife treten Leder, Tabak und ein Hauch Trüffel auf die Bühne der Aromen.
Am Gaumen verbindet er feinkörnige, reife Tannine mit lebendiger Säure, was diesem Wein seinen präzisen, langen Zug verleiht.
Reifer, toskanischer Kultwein mit Auflagen
Traditionell reift er in großen Holzfässern – den berühmten Botti. Dadurch wird seine Balance geschaffen. Zudem hat er Zeit im Gepäck: Fünf Jahre ab Ernte, bevor er überhaupt verkauft werden darf – einer der strengsten Standards Italiens.
Beim Brunello ist „Traditionalist“ keine Nostalgiepose, sondern Haltung. Die Winzer arbeiten kontrolliert in der Extraktion, geben dem Wein große Fässer und noch größere Geduld. Daraus entsteht ein Stil, der Eleganz über Lautstärke stellt. Brunello kommt spät auf den Markt, weil er trinkreif sein soll — nicht, weil er schnell fertig wird.
Servieren, Temperatur & Glaswahl – so schmeckt Brunello am besten
Brunello dankt guter Vorbereitung. Er braucht Raum und Luft und somit ein Glas mit Volumen – bauchiger Rotweinkelch oder ein hochwertiges Universalglas, das Luft gibt und die Tannine zähmt.
Seine Lieblingstemperatur liegt bei 16 bis 18 Grad Celsius.
Zu warm? Der Alkohol drängt nach vorn.
Zu kalt? Die Tannine wirken zu stark.
Brunello dekantieren oder nicht?
- Junge Brunelli: ein bis zwei Stunden karaffieren
- Gereifte Brunelli: vorsichtig dekantieren und kürzer belüften
Und ja: Der Brunello ist ein Wein für Abende mit Raum und Zeit. Er ist zum Genießen da, nicht für die Eile.
Food Pairing – die perfekte Kombination zum Brunello
Was kommt dazu auf den Teller? Ehrliche toskanische Küche mit Struktur und Tiefe. So stammen die klassischen Begleiter des Brunellos ebenfalls aus der tief verwurzelten toskanischen Küche:
- Bistecca alla Fiorentina: Röstaromen balancieren Tannine
- Eine langsam geschmorte Kalbs- oder Rinderschulter: Kollagen und Proteingeben eine schöne Tiefe
- Pappardelle mit Wildragù: Kräuter und Reduktion spiegeln die würzige, herzhafte Seite des Weins
- Gereifter Pecorino Toscano: Salz und Fett balancieren die Säure und verlängern den Zug
- Pilze- und Trüffelgerichte: Tertiären Aromen schlagen die Brücke zu den gereiften Brunelli.
Geheimtipp von unserem Küchenchef Andreas Hoffmann: „Rosmarin und Salbei, eine ernsthafte Tomatenreduktion, kräftiges Olivenöl – und beim Salz nicht schüchtern sein.”
Tasting-Tipp für zuhause
Probieren Sie zuhause einmal zwei Brunelli parallel:
- einen traditionelleren (große Fässer, kühle Aromatik)
- einen moderneren Stil (mehr Frucht, mehr Cremigkeit)
Riechen Sie zuerst: Wirkt die Frucht kühler, kräutriger, mit Kirschkern? Oder dunkler mit Anklängen von Vanille und Mokka? Am Gaumen zeigt der Traditionalist häufig einen kühlen, geradlinigen Zug, während die moderne Variante breiter und cremiger wirkt. Im Finale verraten mineralischer Grip versus würzig‑süßer Schmelz viel über den Anbau.
Notieren Sie je drei Worte pro Wein und vergleichen Sie sie. Erstaunlich, wie schnell sich der persönliche Favorit herauskristallisiert!
Brunello Pouring Note im Occhio d’Oro
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